Erfahrungsbericht: Meine Arbeiten nach der letzten Honigernte des Jahres
Nach der letzten Honigernte endet für mich nicht die imkerliche Hauptarbeit. Vielmehr beginnt eine besonders verantwortungsvolle Phase, in der ich die Honigqualität sichere, die Bienengesundheit überprüfe und die Völker auf die Überwinterung vorbereite.
Unmittelbar nach dem Abnehmen der Honigräume achte ich zunächst darauf, den gewonnenen Honig schonend weiterzuverarbeiten. Wenn ich Honig im Imker-Honigglas des Deutschen Imkerbundes vermarkten will, orientiere ich mich an den Qualitätsrichtlinien für „Echten Deutschen Honig“. Dabei ist für mich wesentlich, dass der Honig aus Deutschland stammt, naturbelassen bleibt, nicht übermäßig erwärmt wird und einen Wassergehalt von weniger als 18 Prozent aufweist. Außerdem muss der Honig seine honigeigenen Bestandteile behalten, insbesondere dürfen Pollen nicht herausgefiltert werden.
Nach dem Schleudern messe ich deshalb den Wassergehalt sorgfältig und dokumentiere die Charge. Ich vermeide jede unnötige Erwärmung, weil der Deutsche Imkerbund die Invertaseaktivität und den HMF-Gehalt als wichtige Qualitätsmerkmale nennt. Ein hoher Enzymgehalt und ein niedriger HMF-Wert sprechen für eine schonende Gewinnung und Lagerung des Honigs.
Parallel dazu bereite ich die Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit vor. Für mich gehört dazu, die Ernte, den Standort, die Schleuderung, die Lagerung und später die Abfüllung so festzuhalten, dass jede Charge nachvollziehbar bleibt. Der Deutsche Imkerbund verweist ausdrücklich darauf, dass jedes Glas „Echter Deutscher Honig“ über eine Kontrollnummer verfügt, über die Herkunft, Gewinnung und Vermarktung zurückverfolgt werden können.
Am Bienenstand selbst richte ich meinen Blick unmittelbar auf die Gesundheit der Völker. Nach der letzten Ernte entnehme ich nicht einfach Honig und überlasse die Völker sich selbst, sondern kontrolliere Volksstärke, Brutbild, Futterlage und Auffälligkeiten am Flugloch. Diese Kontrolle verstehe ich als Teil meiner Verantwortung, denn der Deutsche Imkerbund betont im Zusammenhang mit der Varroaproblematik, dass nicht eine pauschale Behandlung als Selbstzweck entscheidend ist, sondern die dauerhafte Sicherung der Bienengesundheit.
Besondere Aufmerksamkeit widme ich der Varroakontrolle. Ich ermittle den Befall, dokumentiere die Ergebnisse und entscheide anschließend auf Grundlage der Befallssituation und der geltenden Empfehlungen, ob und welche Maßnahme erforderlich ist. Diese Vorgehensweise entspricht dem vom Deutschen Imkerbund vertretenen Gedanken, Behandlungen nach Schadschwellen und auf Basis regelmäßiger Befallskontrollen vorzunehmen.
Wenn eine Behandlung erforderlich ist, wähle ich nur zugelassene und fachlich empfohlene Verfahren und berücksichtige dabei Witterung, Brutstatus, Volkszustand und Anwendungsvorgaben. Dabei ist mir wichtig, nicht schematisch zu handeln, sondern die Behandlung nachvollziehbar zu begründen. Der D.I.B. beschreibt im Projektzusammenhang „Varroa 2033“ ausdrücklich den Einsatz von Varroaziden nur in Abhängigkeit von Schadschwellen sowie die Förderung biotechnischer Verfahren.
Nach der Varroakontrolle beginne ich mit der Vorbereitung auf den Winter. Ich prüfe, ob die Völker nach der Honigentnahme ausreichend Futterreserven besitzen, und gleiche fehlende Vorräte aus. Dabei gehe ich behutsam vor, damit die Völker weder in Futternot geraten noch der Brutraum unnötig eingeengt wird. Die konkrete Fütterungsmenge lege ich nicht pauschal fest, sondern abhängig von Volksstärke, Beutensystem, vorhandenen Vorräten und regionalen Empfehlungen.
Auch die Ordnung im Bienenvolk überprüfe ich sorgfältig. Ich achte auf eine leistungsfähige Königin, ein geschlossenes Brutnest, ausreichend Bienenmasse und einen ruhigen Sitz des Volkes. Schwache oder auffällige Völker beobachte ich besonders eng, weil sie im weiteren Jahresverlauf ein höheres Risiko für Überwinterungsprobleme haben können. Diese Arbeit dient dem Ziel, vitale Winterbienen aufzuziehen und die Völker stabil in den Herbst zu führen.
Zur Arbeit nach der letzten Honigernte gehört für mich außerdem eine konsequente Wabenhygiene. Ich sortiere alte, dunkle oder beschädigte Waben aus, lagere brauchbares Wabenwerk bienendicht und verhindere Räuberei. Am Stand halte ich die Fluglöcher angepasst, arbeite zügig und lasse keine honigfeuchten Gerätschaften offen stehen. Diese Maßnahmen sind für mich praktische Bestandteile einer sauberen, verantwortungsbewussten Betriebsweise.
Zum Abschluss kontrolliere ich regelmäßig den Erfolg meiner Maßnahmen. Nach einer Varroamaßnahme überprüfe ich erneut den Befall und halte das Ergebnis schriftlich fest. Ebenso dokumentiere ich Fütterung, Volkszustand und besondere Beobachtungen. Diese Aufzeichnungen helfen mir, im nächsten Jahr fundierter zu arbeiten und bei Qualitäts- oder Gesundheitsfragen auskunftsfähig zu bleiben.
Rückblickend empfinde ich die Zeit nach der letzten Honigernte als eine der anspruchsvollsten Phasen des Bienenjahres. Die Honigernte ist zwar der sichtbare Ertrag meiner Arbeit, doch die eigentliche imkerliche Verantwortung zeigt sich danach: Ich muss die Qualität des Honigs sichern, die Rückverfolgbarkeit gewährleisten, die Varroabelastung kontrollieren, die Futterversorgung herstellen und die Völker so führen, dass sie gesund in den Winter gehen. Genau darin sehe ich den Kern einer fachgerechten Imkerei im Sinne der Qualitäts- und Gesundheitsorientierung des Deutschen Imkerbundes.
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